Kurzgeschichte: Die Königin

Von Thies

Da! Etwas stach sie von unten in ihr Fleisch. Was war das nur? Sie würde doch nur wieder verletzt werden. Von Anfang an hatte sie gewusst, dass diese Reise nicht gut enden würde. Zuerst die Enge, das Herumgeschleuder und dann auch noch die Hitze, die hatte ihre Haut noch nie gut vertragen. Zu Beginn hatte sie sich fast gefühlt wie eine Königin, wie sie dort oben, am höchsten von allen, thronte. Doch nun waren da diese Stacheln direkt unter ihr. Sie wollte einfach nur, das dies alles aufhörte. Am Vortag war eine, mit der sie sich sehr gut verstanden hatte, erstochen, zerteilt und verschleppt worden. Mühsam versuchte sie sich auf ihrem Thron zu drehen, um endlich den Auslöser für den störenden Schmerz aufindig zu machen. Plötzlich ein Maunzen: Da war sie wieder, diese Katze, die in letzter Zeit immer hier herumschlich. Aus dem Nichts machte das Ungetüm einen Satz, und stieß gegen den hoch aufgetürmten Thron und brachte ihn zum Kippen. Sie sah gerade noch, wie eine Wassermelone auf dem Boden zerschellte und das stachlige Ding von unterhalb (offenbar eine Ananas) davonrollte. „Es können ja nicht alle so sein wie ich“, dachte sich die Mango im letzten Moment, bevor auch sie mit einem Klatschen auf dem Boden aufschlug.

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Foto: Thies J. Hansberg mit OLYMPUS EM-1

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