Abgetaucht

Von Schurti

Am Boden des Sees ist es dunkel und still, kalt, niemand sonst da. Man entkommt für ein paar Sekunden der Welt. Dieser rasanten, lauten, hellen Welt. Ich brauche keine Luft atmen, wenn ich unter Wasser bin. Die Luft außerhalb des Wassers ist dreckig, Gift für meine Lungenflügel. Ich genieße den Moment. Einmal ist etwas kälter, als ich. Die Welt, dunkler als ich, stiller als ich. Es soll niemals enden. Nie. Nie. Niemals. Wenn ich meinen Kopf in den Nacken lege, sehe ich, wie das dunkle Wasser im See, die hellen Sonnenstrahlen schluckt und bricht. Meine letzte Verbindung zu der Welt, eine metallene Leiter. Einfach los lassen und für immer abtauchen. Ewig treibe ich unter der Eisschicht. Im Sommer, wenn der See auftaut, findet man mich. Zu spät, um aufzutauchen. Ich reize den Moment voll aus. Die Grenzen meines kennenlernen. Ich will die Leiter aber nicht los lassen. Ich kann mich jeden Augenblick aus dem Orbit zurück in die Raumstation retten. Bloß ist der Orbit ein tiefschwarzer See und die Raumstation unsere Welt. Ertrinke in Unendlichkeit. Der See merkt mich mit seinem unglaublichen Volumen nicht. Die 3 Sekunden im eiskalten Wasser sind wie Ewigkeit. Fühlt sich so sterben an? Mit einer kraftvollen Bewegung ziehe ich mich aus dem schwarzen Wasser. Die Leiter gibt mir Sicherheit. Ich stehe auf einem Holzsteg. Unglaublich unbeschreibliches gefühlt. Das Atmen dieser Luft fällt mir schwer. Ich will zurück. Mein Blick schweift über den See. Mit der Sonne laufe ich dampfen, entspannt, locker zurück. Tausend Gedanken, Gefühle springen in mir hin und her. Die Kälte vom Wasser, war so unglaublich warm. Abgetaucht, geduckt vor allem. Das Feuer kurz im Eiswasser gelöscht. Doch glüht in mir noch alles. Das Feuer wird immer wieder angemacht. Der Mensch blickt auf Naturschauspiele und merkt nicht, dass er das größte Naturschauspiel ist. Wind weht mir ums Haar. Es friert langsam. Die Augenblicke rauben uns den Atem, lassen uns ertrinken. Auf Holz stehend könnte ich noch nach denken, was alles bedeutet, doch vieles bedeutet nichts. Einfach hinnehmen genießen. Feuer angemacht und wieder in die Schwärze des Sees getaucht.

Cheers, euer Schurti.

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