JBG 3 und der Echo

Letzte Woche wurde der angeblich wichtigste Preis der Deutschen Musik verliehen, der Echo. Im Vorfeld der Veranstaltung machten Bild und RTL in sehr typischer Art und Weise auf einige als antisemitisch deklarierte Textstellen von den beiden Deutschrappern Kollegah und Farid Bang aufmerksam. So viel dazu. Das Album der beiden „Jung Brutal Gutaussehend 3“ erschien im Dezember 2017. Jetzt im April, Monate später, kurz vor der Echoverleihung stürzen sich die Klatschmedien auf das Album. Warum? Vielleicht aus Gründen der Aufmerksamkeit? Felix und Farid standen schon oft im Rampenlicht für ihren aggressiven Rap. RTL und BILD haben sich auf einem Niveau bewegt, welches stark an die Killerspieledebatte erinnert. Ein unterirdisches Niveau. Beide Musiker haben so gut wie es ging versucht, die Vorwürfe von sich abzuweisen, zurecht. Niemand möchte als Antisemit dastehen. Die Medien berufen sich beständig auf eine Textzeile, obwohl es genügend hasserfüllte menschenverachtende Textstellen in dem Album gegeben hätte. „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ Diese Zeile stammt aus dem Track 0851. Farid Bang spielt hier wunderbar mit dem Wort 《deformiert》und definiert. Ein mieser Vergleich in Anbetracht der Ausschwitzhäftlinge. Aus der Sicht der Kunst, genial. Ironischer Weise war der Track nicht auf der Spotify-Version des Albums, defacto haben die meisten der Hörer den Track nie zu Ohren bekommen.
Der Echo ist aktuell kein Preis mehr, der mit besonders viel Ehre zu verbinden ist. Den Echo bekommen die, die die meisten Platten verkauft haben. HipHop.de hatte ihn einem ausführlichen Meinungsbericht es perfekt ausgedrückt. Es wurde in etwas geschrieben, wenn die Jury keine Lust auf Antisemiten hat, dann hätten sie ihnen keinen Preis verleihen müssen. Genau das ist der springende Punkt. Niemand hätte Kollegah und Farid Bang einen Echo verleihen müssen, aber es wurde trotzdem getan.
An dem ganzen Debakel sind im Grunde nur die BILD bzw. RTL und die Jury des Echos Schuld. Die beiden Rapper haben das gemacht was sie können: Rap produzieren, wenn auch menschenverachtend und teils einfach nur widerwertig.
Zusammengefasst kann man sagen, dass RTL und BILD hier Musiker zu nicht ganz unrecht in die rechte Ecke gedrängt haben. Dass es sich hierbei teils um Rassismus an Farid Bang handelt, wird außen vor gelassen. Kollegah hat seine Vorbildfunktion eigentlich sowieso verloren, er ist zu weit weg für die Jugendlichen, er rappt über Dinge die jugendliche Hörer nicht haben und wenn, animiert er sie zum Sport und nicht zu Mord und Hassrede.
Zum Abschluss eine kleine Frage: Stand Bausa eigentlich so hart in der Kritik für seinen Song „Was du Liebe nennst“ wie Kollegah und Farid für ihr Album? Nein eigentlich nicht, aber was er getan hat, war fast genauso widerlich. Eine Objektivierung von Frauen in höchster Form, einfach nur widerwertig.


Bericht von HipHop.de

Bildquelle:https://lh6.googleusercontent.com/-EaKhhRmvYtc/TYtA8vk896I/AAAAAAAAAW4/VlbfwLECeNA/s1600/Echo2010_ddp_Michael_Gottschalk.jpg

Album zum Text: Kollegah und Farid Bang: JBG 3

Song zum Text: Bausa: Was du Liebe nennst


Schurti kann schreiberisch eigentlich alles: Sogar solche fundierten Sachtexte. Was für ein Tausendsassa!


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