Atomkrieg und Frieden – Nordkorea, Teil 1

2017: Nordkorea arbeitet am neuesten, größten und gefährlichsten Atomprogramm, das es je gab. Eine Vielzahl von Atomtests beweist, dass das Regime nun fast unbeschränkte Reichweite hat und in der Lage ist, Krieg zu führen. Gleichzeitig finden zahlreiche Cyberangriffe auf vor allem amerikanische Institutionen statt. Das amerikanische Internet verfällt in „Nuclear-phobia“. Kim Jong-uns Drohungen werden gehört und es kommt zu politischen Spannungen.

Doch genau an dem Punkt, an dem Spannungen nicht höher hätten sein können, verkündet der nordkoreanische Diktator feierlich, dass er nordkoreanische Athleten zu den Olympischen Spielen nach Südkorea schicken will – unter einer Flagge mit Athleten des südlichen Nachbarstaats. Wieso schwenkt die Politik Kim Jong-uns innerhalb Wochen von Atomkriegsdrohungen auf Friedensbemühungen?

Was wie eine völlig hirnrissige politische Wendung scheint, ist in der Realität ein Zug einer berechneten, für Nordkorea sinnvollen und kühnen Politik.


– 1 –

Wer oder was ist Nordkorea?

Fangen wir von vorne an. Nordkorea, oder offiziell die demokratische Volksrepublik Korea, ist ein Staat im Norden der koreanischen Halbinsel. Im Widerspruch zur offiziellen Bezeichnung des Staates wird das Land kommunistisch regiert in einer Diktatur. Der aktuelle Machthaber bzw. Diktator ist Kim Jong-un, der jüngste Sohn vom einstigen Machthaber Kim Jong-il. Seit der Gründung des Staates 1948 ist die Folge der Staatsoberhäupter durch die Familie bestimmt. Traditionell ist das Land vor allem buddhistisch, es gibt aber auch eine Minderheit von vor allem Christen, die im Untergrund leben und verfolgt werden. Im Punkt Religionsfreiheit steht das Regime weltweit immer wieder in der Kritik.

Nordkorea ist ein armes Land. In keinem Punkt mit westlichen Verhältnissen zu vergleichen. Natürlich sind genaue Berichte über das Land und seine Einwohner unter Verschluss und die genaue Armut des Landes lässt sich nur schwer abwägen. Fakt ist: Ein durschnitlilcher Nordkoreaner ist den Großteil des Tages damit beschäftigt, einen kleinen Lohn zu verdienen um sich sein Leben leisten zu können. Wer welchen Job hat und wie das genau auszusehen hat, bestimmt die Regierung, das Regime allein. Dazu kommt ein riesiger Entwicklungsrückschritt. Experten vergleichen immer wieder den Stand der Dinge in Nordkorea mit dem Amerika der 80er Jahre. Es herrscht Planwirtschaft, ein Wirtschaftssystem des geschichtlich eng mit dem Kommunismus in Verbindung steht und in dem staatliche Institutionen einen Wirtschaftsplan aufstellen, an den sich alle halten müssen. Wohlstand – oder Armut – wird verteilt. Alles ist Eigentum des Staates und die Bürger des Landes können von ihren Einkünften leben. Gut Leben? Nein.

Warum ist das wichtig?

Diktatur, auch die in Nordkorea, funktioniert nur über Beeinflussung, Propaganda und Feindbilder. Kollektivverhalten, militärische Strukturen und Überlebenskampf sind die Antwort. Nordkorea ist von der Außenwelt abgeriegelt. Widerstände werden unterdrückt und in Rebellen in Gefangenenlagern gehalten. Die Lebensverhältnisse sind genau so gut, dass sie zum Überleben ausreichen, aber nicht so gut, dass die Menschen Zeit bekommen. Ein durchschnittlicher Bürger verbringt den Tag damit, für sein Überleben zu sorgen. Es bleibt keine Zeit mehr übrig. Das ist wichtig, denn sobald Zeit da ist, werden Menschen anfangen sich zu organisieren, zu sammeln gegen das Regime und für ein besseres Leben zu protestieren. Das darf, wenn die Diktatur überleben soll, nicht passieren, deswegen wird Wohlstand verteilt und alle bleiben gleich arm.


– 2 –

Die Politik Nordkoreas

Alle Machthaber Nordkoreas, also Kim Jong-un, sein Vater und sein Großvater hatten bisher ein zentrales Interesse: an der Macht bleiben. Doch dazu reicht es nicht aus, den wenigen Wohlstand zu verteilen und einfach darauf zu achten, dass niemand einen Widerstand anzettelt. Wenn Kim Jong-un nicht aktiv ist, wird das Land, auf sich allein gestellt, scheitern und ausfallen. Ein Weg dies zu bekämpfen wäre eine Neuordnung der Wirtschaft, ein anderes Wirtschaftssystem. Doch was wirklich gefährlich für das Regime ist, ist ein Einblick der Bürger in ein besseres Leben. Die Bürger würden, einmal an einem „guten Leben“ geschnuppert, natürlich mehr fordern und das Regime stürzen. Das Ende für Kim. Die Bürger dürfen nicht wissen, was sie haben könnten. Deswegen spielen auch Abschottung des Landes und Propaganda eine wichtige Rolle.

Kim Jong-un braucht also Ressourcen, Geld, kann sich aber keine Wirtschaftsreform leisten, weil er sonst seine Macht verlieren würde.

Kim braucht Geld

Um an der Macht zu bleiben ist Kim Jong-un auf Geld aus dem Ausland angewiesen. „Foreign Aid“ heißt die Devise. Hilfsprogramme mit Zahlungen in riesigen Höhen stehen an der Tagesordnung. Dabei kommt das große Geld vor allem aus China. Das selbst kommunistische Regime ist an einem geeinten Korea nicht sonderlich interessiert. Doch ganz von alleine kommt das Geld nicht.

Wie bekommt Kim das Geld, das er braucht? Und was hat das für Konsequenzen auf den Rest der Welt?

Das und mehr im zweiten Teil am Freitag, den 11.05. um 15:00.


Jonas schreibt gerne über politische Themen, über die er sich aufregen kann.


Folge dem Gedächtnispalast jetzt auch auf Instagram, Tumblr, Twitter oder per E-Mail, um keinen Beitrag mehr zu verpassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s