Atomkrieg und Frieden – Nordkorea, Teil 2

2017: Nordkorea arbeitet am neuesten, größten und gefährlichsten Atomprogramm, das es je gab. Eine Vielzahl von Atomtests beweist, dass das Regime nun fast unbeschränkte Reichweite hat und in der Lage ist, Krieg zu führen. Gleichzeitig finden zahlreiche Cyberangriffe auf vor allem amerikanische Institutionen statt. Das amerikanische Internet verfällt in „Nuclear-phobia“. Kim Jong-uns Drohungen werden gehört und es kommt zu politischen Spannungen.

Doch genau an dem Punkt, an dem Spannungen nicht höher hätten sein können, verkündet der nordkoreanische Diktator feierlich, dass er nordkoreanische Athleten zu den Olympischen Spielen nach Südkorea schicken will – unter einer Flagge mit Athleten des südlichen Nachbarstaats. Wieso schwenkt die Politik Kim Jong-uns innerhalb Wochen von Atomkriegsdrohungen auf Friedensbemühungen?

Was wie eine völlig hirnrissige politische Wendung scheint, ist in der Realität ein Zug einer berechneten, für Nordkorea sinnvollen und kühnen Politik.

Hier gehts zu Teil 1!


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Der Kreislauf der Aufmerksamkeit

Um Geld zu bekommen braucht man Aufmerksamkeit. Egal ob WWF-Aktivist oder Bettler. Werbung funktioniert über Aufmerksamkeit und das gute Gefühl, das man dem Geld gebenden versucht zu vermitteln. So macht es auch Nordkorea. Das Problem beginnt, wenn in der Regierung das Geld ausgeht. Die Wirtschaftsreform kommt nicht in Frage, und eine Systemänderung schon garnicht. Es kann nicht gespart werden. Kim Jong-un fängt also an, das Atomprogramm wieder aufzunehmen. Es werden zuerst vorsichtig, und dann immer provokantere Atomraketentests im Meer, einem westlichen, kapitalistisch orientiertem Land möglichst nah. Dabei scheint das Regime und Jong-un an der Spitze völlig herzlos und kompromisslos zu sein.

Auch diplomatisch werden Spannungen erzeugt. Verhältnisse zum südlichen Nachbarn erreichen ein Rekordtief und ein bewaffneter Konflikt scheint unausweichlich. Im neuesten Beispiel kommen dazu noch Cyberattaken auf die ganze Welt, vor allem auf die USA. Kim Jong-un spielt den verrückten Diktator, der jeden Hang zur Realität verloren haben zu scheint.

Dann: Der Wechsel. Überraschend nimmt Nordkorea wieder Diplomatie auf. Im neuesten Beispiel werden Athleten zu den olympischen Spielen geschickt – sogar zusammen mit Südkorea. Auch Kim Jong-uns Frau und ein verrücktes Team von einheitlichen Frauen, die wie wild anfeuern. Ein Zeichen des Friedens. Einen Monat später vereinbaren Staatschefs dann sogar Treffen mit dem vor einen Monat noch völlig verrückt scheinenden Kim. Der verlässt sogar das erste mal in seiner Amtszeit Nordkorea um sich in Peking mit dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping zu treffen – natürlich das erste Treffen. Es folgen weitere Treffen mit amerikanischen Diplomaten und auch dem südkoreanischen Präsidenten. Vor kurzem besuchte Kim überraschend erneut China

Alles scheint so schön, und das ist es auch. Beide Seiten, also sowohl Nordkorea als auch der Rest der Welt proklamieren einen riesigen Außenpolitischen Erfolg, die Diplomatie wieder aufgenommen zu haben. So ein „Erfolg“ spielt auch anderen autoritären Staatsoberhäuptern in die Karten, die grade innenpolitisch zu tun haben. In diesem Zuge fängt auch das Geld wieder an zu strömen. Die Sanktionen gegen Nordkorea werden wieder aufgehoben. Kim gibt sich freundlich und weltoffen. Er hat sein Ziel erreicht. Er ist weiter an der Macht und hat eine ernsthafte Reform ein weiteres Mal verhindert.


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Wie wird es jetzt weitergehen?

Natürlich ist ein Ausblick nie ganz klar und kann natürlich nicht stimmen. Es kann sein das alle Verhandlungen scheitern oder, wie durch ein Wunder, auf ein mal wundervoll funktionieren. Ich will trotzdem die wahrscheinlichsten Fälle nennen, wie Kim Jong-un, und damit Nordkorea vorgehen wird. Dem Kreislauf zufolge.

In nächster Zukunft stehen mehrere wichtige Treffen an. Nachdem der Diktator vor kurzem überraschend erneut nach China reiste, wird er sich vermutlich in Singapur mit Präsident Donald Trump treffen. Dabei fallen aber vor allem gute Worte. Für eine Weile werden die Gelder fließen, doch außer großen Worten und einigen Versprechen wird nicht viel dabei passieren. Ein wichtiger Punkt im Atomprogramm Nordkoreas war, dass die Raketen jetzt die USA erreichen könnten, also wird Trump ein atomares Abkommen einfordern. Kim Jong-un wird es, natürlich, jubelnd annehmen, denn das Atomprogramm wird garnicht mehr gebraucht. Die Fähigkeit der Raketen ist längst bewiesen und Tests verlieren schnell an Druck. Beim diesem Vertrag wird aber auch China nicht vergessen. Vermutlich wird es eine „gemeinsame Lösung“ geben, von der China genau so profitiert.

In Nordkorea selbst wird sich wenig oder nichts ändern und eine Wiedervereinigung wird so schnell nicht in greifbare Nähe rücken. Trotzdem werden alle, auch die Südkoreaner, einen riesigen diplomatischen Erfolg feiern. Trump kann das nutzen, um von privaten und innenpolitischen Problemen abzulenken, und Xi Jinping hat einmal mehr seine Macht und seinen Einfluss im Koreakonflikt gesichert.


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Fazit

Kim Jong-un und das nordkoreanische Regime haben einen ausgefuchsten Kreislauf entwickelt um sich auf trickreiche Weise immer wieder Hilfsleistungen zuzusichern und so an der Macht zu bleiben. Erst Krieg, dann Frieden. Über allem hängt dieses überspitze und verlogene Lächeln eines Diktators der für die meisten zwar völlig verrückt scheint, in der Realität aber kühl und berechnet auftritt. Ein System der Machterhaltung.

Dabei macht er sich gekonnt das politische Weltklima zunutze und spielt mit Ängsten der Westmächte. Ängste der Bevölkerung und deren Regierungen. Dabei bleibt das nordkoreanische Volk völlig auf der Strecke und spielt in diesem Konflikt nur die winzigste Geige.


Jonas ist einer der Gründer des Gedächtnispalastes und beweist in seinen Sachartikeln viel journalistische Raffinesse und Rationalität. Er weiß seine Fähigkeiten einzusetzen, denn er ist wirklich, wirklich selbstverliebt.


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