Hypes – Mörder einer gesunden Jugendkultur

Die Menschheit hat seit jeher den Drang, der Gesellschaft eine bestimmte Richtung, eine Mode vorzugeben, die alle Menschen in ihrer Lebensweise beeinflussen soll. Diese Mode zwingt manche Menschen, sich aus ihrer eigentlichen, selbstbestimmten Lebensart begeben zu müssen, um in der Gesellschaft anerkannt zu werden. Also pauschal ausgedrückt heißt das: Die Mode macht das Leben aus, nicht der Mensch.

Dieser doch sehr philosophische Anfang ist zwar wirklich hochtrabend, trifft aber eigentlich genau den Kern dessen, was ich der Welt heute näherbringen möchte: Die Mode macht uns alle kaputt. Und wenn ich das so sage, dann meine ich natürlich nicht nur den Klamottenstil, sondern auch andere Trends und Hypes, die unsere Gesellschaft, uns, „die Jugend von heute“, und sich selbst langsam aber sicher zerstören, wie eine Krebszelle den Körper. Hier erkläre ich, warum ich das so sehe und warum ich versuche, mich möglichst wenigen dieser Trends hinzugeben.

Achtung: Wer mich kennt weiß, dass ich gerne und oft übertreibe. Also nehmt dieses Manifest bitte nicht zu ernst und seht es nicht als altmodische Beschwerde: Viel mehr als eine Behauptung, eine hanebüchene Theorie, die nicht an der Praxis orientiert ist. Viel Spaß beim Lesen!


Allgemein kann man den Verlauf eines Trends oder Hypes in fünf Phasen unterteilen, die allerdings natürlich nur idealtypisch sind und sich sicher nicht auf jedes Beispiel anwenden lassen.

hypecycle

Der sogenannte Hype Cycle ist das Sinnbild für Aufstieg und Fall eines Hypes in folgenden Phasen:

  • Technologischer Auslöser
  • Höhepunkt der überzogenen Erwartungen
  • Tal der Enttäuschungen
  • Pfad der Erleuchtung
  • Plateau der Produktivität

Dieses Modell ist gerade nicht Grundlage dieser Kolumne, sondern vielmehr ein Gegenentwurf zu meiner These. Der Hype Cycle spricht davon, dass ein Hype nur zwischendurch einen kurzen Einbruch erleidet, sich dann aber später konstant auf einem bestimmten Level hält, weil er von der Gesellschaft angenommen worden ist . Allerdings ist dieses Modell auf Technologien festgelegt, deren Marktforschungsstudien entscheidend sind (beliebtes Beispiel dafür ist seinerzeit das Internet selbst, ohne das du diesen Artikel garantiert nicht lesen würdest).

Der Hype in unserer Jugendkultur ist ein ganz anderer Begriff, als wissenschaftlich allgemein betrachtet. Hier ist es anders. Folgende Phasen gilt es dort einzuteilen, frei und wahrscheinlich völlig stümperhaft nach Thies:

  • Phase 1: Nur wenige besitzen das Produkt, viele finden es zuerst unnötig
  • Phase 2: Es gibt einen Auslöser, der dafür sorgt, dass das Produkt wirklich bei jedem ankommt, das kann zum Beispiel sein, wenn ein Prominenter es trägt/benutzt/für sich entdeckt hat, langsam greift es auf alle Facetten der Kultur über
  • Phase 3: Es folgt ein Boom, JEDER hat das Produkt, niemand kommt darum herum, es zu besitzen. Auch sozial werden Leute, die sich gegen den Hype sträuben, ausgegrenzt
  • Phase 4: Das Produkt wurde nun von allen möglichen Seiten ausgeschlachtet, die Geldkuh wurde gemolken, bis es nicht mehr ging. Nun benutzen es zwar immer noch viele, Mitmacher der ersten Stunde finden es aber überwiegend nervig und lehnen es ab
  • Phase 5: NIEMAND will das Produkt noch kaufen. Dieser Abbruch erfolgt ziemlich abrupt und schnell. Anbieter stehen auf einmal mit einer Geschäftsidee da, die kaum bis keinen Gewinn mehr bringt. Nun werden Leute sozial ausgegrenzt, die den Hype weiterhin praktizieren. Der Hype findet hier sein jähes Ende.

Dieses Phänomen nenne ich gerne den Fidget-Spinner-Effekt: Auf einmal ist der gesamte Hype tot. Und hat dabei einiges mit unserem sozialen Miteinander gemacht: Der Umgang miteinander wird auf ein meist lächerliches oder unnützes Objekt beschränkt, von dem abhängig gemacht wird, ob man dazugehört oder nicht. Noch schlimmer, wenn das jeweilige Produkt nicht unnütz war: Jetzt hat niemand mehr Bock darauf. Wir zerreißen uns tagtäglich über solche Äußerlichkeiten. Äußerlichkeiten die vor allem eines sind: Primitiv und einfältig. Ganz kurz mal nachgedacht: Ist es wirklich so geil, sich Armbänder aus Gummiringen zu flechten? Oder sinnlose Kreisel mit Kugellager rumzuschwenken? Ist es notwendig, die Hose hochzukrempeln, wenn man nicht gerade eine Wattwanderung macht?

Ob es wirklich „so geil“ ist, das weiß ich nicht. Was ich aber damit sagen will ist etwas Anderes: Jeder muss für sich selbst wissen, wie er herumläuft, wie er sich verhält oder welche Apps er benutzt. Und das geben nicht Andere vor, sondern du.

Ja, über Geschmäcker kann man streiten. Muss man aber gar nicht, wenn jeder mit seinem eigenen Style akzeptiert wird und sich keiner tobenden Masse hingeben muss. Denn diese Masse ist es, die das gehypte Produkt, das Umgehen untereinander und am Ende sogar die gesamte Jugendkultur zerstören wird.

Lebe einfach mal dich selbst. Und das geht mit oder ohne Hose in den Socken.


Thies ist Mitbegründer des Gedächtnispalastes und beehrt uns heute mal wieder mit einem Text, den keiner braucht. Einfach weil er es kann.


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