Überall, nur nicht hier!

Wie in Filmen den Kopf gegen die Fensterscheibe des Autos lehnen und die Welt beobachten.

Doch was ist das für eine Welt, die sich jeden Tag wiederholt und sich nur nach einem anstrengenden Tag, zuhause erweitert?

Es ist eine Welt zum verzweifeln. An der ich verzweifle.

Jeden Tag vom gleichen Weckton, um die gleiche Uhrzeit, im gleichem Bett, im gleichem Raum mit der Einrichtung, wie sie gestern war, aufzuwachen.

Immer der gleiche Ablauf beim fertig machen für die Schule. Die Schule.

Jeden Tag mit dem gleichen Bus, mit den selben Menschen darin, den gleichen Weg fahren.

Die gleichen Menschen zu sehen, an denen das einzige, was sich verändert, ihre Kleidung ist, welche mittlerweile auch nicht mehr wirklich diese Vielseitigkeit in sich verbirgt, für die ich bestimmte andere Menschen sehr bewundere. Ich lache. Ihr lacht. Die schwarzen Vans lachen.

Die gleichen Stunden, die gleichen Lehrer und 2-3 Pausen mit verschiedenen Optionen, aber immer den jeweiligen gleichen Ablauf. Das ist aber nicht das Schlimmste an diesem eintönigen Tag. Das Schlimmste ist der Weg von der Schule nachhause. Ein Rückweg der durch meine mehr oder weniger Heimatstadt führt.

Eine kleine, verschlafene, fast hübsche Stadt, die ich aus tiefster Seele hasse.

Sie ist für mich, der Ort, wo Menschen enden. Ein Gefängnis. Ein Todesurteil. Eine Stadt, um die sich nur um die Ecken gekümmert wird, die Außenstehende sehen, jedoch auch diese Pflege nur mit halbem Herzen, sodass mal hier und das ein paar Stiefmütterchen stehen oder eine Bank, um das langsame Sterben dieser Stadt zu beobachten.

Doch nicht nur das Äußerliche macht mich krank. Das innerliche, die Menschen dieser Stadt, geben mir das Gefühl, sobald wie möglich hier wegzugehen.

Eine Fraktion aus bunten Strickjacken, abwechselnd blauen Jeans oder Jogginghosen und Crocs mit einem Gesichtsausdruck, der mehr aussagt, als sie jemals preisgeben würden.

Alle laufen sie wie Zombies durch die Stadt mit einem ständig gleichem, langweiligen Leben. Wie ich.

Man hat jedes Gesicht schon einmal gesehen. Niemand Neues. Niemand Anderes. Niemand Besonderes.

Auf dem Weg, kleine Geschäfte. Geschäfte, bei denen man sich fragt, wie sie sich eine Existenz, in einer Stadt wie dieser, aufbauen konnten bzw. überhaupt wollten.

Alle Geschäfte, immer gleich, nur ein bis zwei mal, doch nie etwas Besonderes. Nur das Nötigste, was man braucht um an diesem Ort zu überleben. Falls dies möglich ist. Die Straßen, bis auf ein paar Autos und alte Leute oder Mütter mit ihren Kindern, ausgestorben.

Ich WILL so nicht enden. Ich meine, ich habe wahrscheinlich nur mein jetziges Leben, was danach passiert, weiß niemand, also sollte ich doch versuchen, das beste daraus zu machen. Doch ist das Leben in so einer Stadt wirklich das, was manche aus ihrem Leben machen?

Ich möchte so viel mehr aus meinem Leben machen!

Ich möchte das sehen, was ich derzeitig nur durch das Internet kann.

Ich möchte an der italienischen Küste sitzen und mir durch meine Zeichnungen, das Geld für den nächsten Tag verdienen.

Einen Ausflug in Monets Garten und danach nach Provincetown um den 4. Juli zu feiern.

Ich möchte Silvester mit Dragqueens feiern und mich am nächsten Tag an alles erinnern. Ich möchte im eisigen Wasser in Island stehen und den Horizont anschreien. Ich möchte meinen Horizont erweitern.

Ich möchte verdammt nochmal leben!

Vielleicht hören sich diese Wünsche verrückt an, hab ich schließlich nicht andere Wünsche? Ja, tausende, alle aber irgendwo verteilt in der Welt, jedoch nichts hier, außer einer Sache. Eine Person.

… Aber ich habe Angst, dass ich das in dieser Gesellschaft wiederum nicht schaffe und hier in dieser schrecklichen Stadt enden werde. Das halte ich nicht aus.


Nach vielen verworfenen Entwürfen nun – endlich – Premiere für Marie im Gedächtnispalast: Wir freuen uns auf ihre nächsten Texte!


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