Was ist Krankenpflege?

Ich wurde vor Kurzem gefragt, ob ich sicher sei, den richtigen Beruf für mich gefunden zu haben. Ob ich das, was ich mache, wirklich bis zur Rente durchziehen möchte. Ob es nicht belastend und anstrengend sei. Weihnachten, Silvester, Ostern und all die anderen schönen, von Famlilientreffen geprägten Feiertage seien doch futsch, verloren, umsonst, da ich eh arbeiten müsse. Ich könne doch etwas anderes lernen, etwas das angenehmer ist, wo ich nicht mit Hospiz, Tod, Leid, ansteckenden Krankheiten und Rettungswagen in Berührung käme und wo ich Teilzeit arbeiten könne.

Meine Antwort: Nein, ich kann mir nichts anderes vorstellen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und habe auch lange überlegt. Doch nach dem 6-monatigen Praktikum stand die Entscheidung fest. Ich wusste vorher was auf mich zukommt. Drei Jahre lernen, sechs Monate Probezeit, Prüfungen, Fortbildungen und schlussendlich das Examen.

Ich möchte euch diesen Beruf näher bringen und auch mit einigen Klischees aufräumen. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit.

Die gängigsten Klischees

• Die Pfleger sind stets gestresst, schlecht gelaunt und genervt. Den Patienten schnauzen sie nur an, es wird auf keine Wünsche eingegangen

• Alle Feiertage sind futsch, verloren, umsonst, da gearbeitet wird, für die Familie ist kaum Zeit. Feiern mit Freunden? Keine Zeit.

• Die Ausbildung ist ein Kinderspiel. Ein bisschen waschen, Bettpfanne bringen, warum drei Jahre lernen?

• Männliche Pfleger sind nicht existent. Und wenn es welche gibt, sind sie prinzipiell schwul oder für Handwerkliches nicht geeignet.

• Pfleger haben kaum Geld und arbeiten zu viel. Dreischichtbetrieb und ganz schlechte Bezahlung. Urlaub? Erstmal sparen!

Keines, wirklich keines der Klischees stimmt.

• Natürlich kann es im Krankenhaus mal stressig werden. Es kann jederzeit zu einem Notfall kommen. Trotzdem bin ich stets freundlich dem Patienten gegenüber, nehme mir Zeit, berücksichtige Gewohnheiten und Bedürfnisse oder setze mich mal 10 Minuten zu ihr oder ihm und höre zu. Auch wenn die Station einem Bienenstock gleichkommt, bewahre ich Ruhe. Den Patienten anzuschnauzen oder genervt zu reagieren, dieser Gedanke ist Meilen entfernt von mir.

• Natürlich wird an Sonntagen und Feiertagen gearbeitet. Jedoch nicht jeden Feiertag. Auch wir Pfleger haben frei oder Urlaub. Zeit für Familie oder Freunde ist trotzdem da, zum Beispiel im Frühdienst sind die Nachmittage frei zur Verfügung. Außerdem feiert man auch im Kollegium, es gibt Weihnachtsfeiern und die Stationen werden geschmückt.

• Es heißt nicht umsonst drei Jahre lernen. Dieser Beruf ist mehr als waschen und Bettpfanne bringen. Und selbst beim Waschen gibt es 100 Dinge zu beachten, vom Handschuhwechsel zur Sturzprophylaxe, bis zur richtigen Mobilisation, vorbei an Beachtung der Hygiene und ggf. Bewegungseinschränkungen der Patienten. In der Ausbildung geht es um Medikation und deren Wirkung, um Anatomie, Recht, Datenschutz und viel mehr.

• Männliche Pfleger gibt es. Und nein, es gibt nicht mehr Schwule, als in anderen Berufsfeldern. Falls sie doch schwul sind, ist es auch kein Problem. Handwerklich talentiert sind sie trotzdem und ich arbeite gerne mit ihnen zusammen. Erst vor ein paar Tagen durfte ich unter dem strengen Blick meines Kollegen eine Braunüle ziehen. In meinem Kurs gibt es ebenfalls männliche Azubis und bei 33 Schülern sind das nicht einmal wenig.

• Vorweg: mein Gehalt werde ich nicht offenlegen, kann mich jedoch nicht beschweren. Es gibt Zuschläge für das Arbeiten an Wochenenden, Überstunden und Feiertagen. Auf meinem Dienstplan stehen Früh- und Spätdienst. Später werden noch Bereitschaftsdienst und Nachtschicht dazu kommen. Viele meiner Kollegen sind während ihres Urlaubes weg, beispielsweise in Spanien, Kroatien oder in Griechenland im Hotel. Das Gehalt ist nicht so grauenvoll wie gerne gesagt wird.

Mir gefällt diese Arbeit wirklich. Es ist wichtig dass hinter die Kulissen geschaut statt gestarrt und in der Gesellschaft verankerten Klischees geglaubt wird.

Der Kontakt mit Hospiz, Tod, Leid, ansteckenden Krankheiten und Rettungswagen gehört zum Beruf. Teilzeit zu arbeiten käme für mich ebenfalls nicht in Frage.

Vielleicht konnte ich deine Sicht auf die Gesundheits-und Krankenpflege etwas ändern.


Melanie ist, anders als die naiven Schüler-Autoren, schon richtig in der Arbeitswelt angekommen. Mitten aus ihrem Leben als Azubi schreibt sie für den Gedächtnispalast.


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