Zweikampf nach Erfüllung

Irgendwo im Norden Irlands, um genau zu sein in Strabane, wird im Mai 1973 einer der unglaublichsten Fußballer aller Zeiten geboren, mit der wohl tragischsten Geschichte die ein Junge am Ball nur haben kann, Adrian Doherty. Aber warum ist er international kaum bekannt? Er starb in einem der Kanäle der malerischen Stadt Den Haag, wie es dazu kam, möchte ich nun erzählen.

Seit der frühen Jugend, Dohertys verfolgten und faszinierten ihn drei Dinge besonders. Der Fußball, Musik zu machen und Bob Dylan. Adrian begann in der Zeit der Highschool bereits mit dem Schreiben von kleinen Gedichten. Auf sich aufmerksam machte er über die Tätigkeit in einer Schulband, doch wo er wirklich alle zu seiner Zeit überragte, war das Spielfeld. Wenn er am Ball war, vergaß er die Welt um sich und konzentrierte sich auf das Spiel. Sein Stil konnte man irgendwo zwischen euphorisch und leidenschaftlich einordnen. Fast so schnell, wie er rennen konnte wurde Adrian Doherty auch in die englische Premier League vermittelt. Er stand vor der Wahl, entweder zu Arsenal London oder Manchester United zu gehen. ManU wurde seine Entscheidung, denn dieser Club war der seines Herzens. Blicke fing er sich immer wieder durch unglaublich viele verschiedene Situationen. Mal war das sein so unfassbares Fußballtalent, dass er durch pfeilschnelle, butterweiche Pässe und Dribblings, die anderen die Beine verknoten würden, unter Beweis stellte oder auch seine hochintelligente Art, der Stil eines Sonderlings, diesen unterstrich er allzu oft durch Kleidung und Auftreten, sowie auch die Liebe zu Bob Dylan, die Liebe die ihm auf den Weg bis zu Englands Rekordmeister nie verlassen hat.

Wenn er durch die Gänge der United-Akademie lief, trug oft seine Gitarre über den Rücken. In diesen Gänge wehten ein besonderer Wind, der Wind, der den Sand für eine Fußball Ära mit sich brachte, der Class92. Damals redete aber niemand über den nun weltbekannten Beckham, die Neville Brüder, oder gar Butt, doch jeder sprach von zwei jungen Männern. Ryan Giggs und Adrian Doherty. Sie waren die Flügelzange, die unglaubliche Spiele absolvierte und beide binnen weniger Jahre zu Profis formte. Doch die Liebe zur Musik verlor Adrian dabei nie. Nachts schlich er sich raus, um in Pubs zu gehen, er wollte nicht feiern, wie die meisten seiner Alterskameraden, er wollte nur in verrauchten, schiefen Pubs Musik machen.

Mit 17 Jahren passierte das Unvorstellbare, er riss sich, bei einer Trainingseinheit, sein Kreuzband im linken Knie, sein Körper ließ ihn im Stich. Was heute wie die Standardverletzung eines jeden Fußballprofis klingt, war zu dieser Zeit für viele ein Karriereaus. Die dramatische Verletzung wurde erst sehr spät diagnostiziert und nach einer komplizierten Operation folgten 18 Monate Verletzungspause.

Die anderthalb Jahre ließ er nicht ungenutzt verstreichen. Doherty ging nach New York um seiner größten Liebe, der Musik nachzujagen. In der Stadt der Träume wollte er einen Plattenvertrag unterschreiben, dies klappte nicht, trotzdem konnte er sein Herz trösten und seine seidene Seele, die so nach Erfüllung geschrien hat stillen. In kleinen und größeren Pubs konnte er Auftritte hinlegen und sich etwas Geld verdienen. Es wurde die Zeit seines Lebens.

Als der Sommer vorbei war, musste er zurück nach Manchester. Für sein Comeback trainierte er hart, aber aus dem Junge, den sogar Fußballlegende Ryan Giggs in den Himmel lobte würde nichts mehr: Das verletzte Knie war ihm ein Klotz am Bein, sein unglaubliches Tempo hatte er verloren, die Dribblings konnte er nicht mehr ausüben und in Zweikämpfe traute er sich auch nicht mehr wirklich, zu groß die Angst sich noch mal zu verletzten.

1993 muss er seine Sachen eingepackt haben und einfach gegangen sein, niemand wusste, wohin. Die Frustration war zu groß und der hochintelligente Mann erkannte, dass er auch keine Chance bei Manchester United mehr hatte. In Irland tauchte er kurz wieder auf, kickte ein paar Spiele und verschwand erneut.

Er tat das, was er am liebsten tat, das was ihm Frieden verschaffte: Musik. Er spielte in Bars, Clubs und Pubs an Orten an den niemand wusste, dass er, Adrian Doherty mal zusammen mit Ryan Giggs Fußball gespielt hatte. Das Geld war knapp, also versuchte er sich als Möbelpacker. In seinen Mittzwanzigern verschlug es ihn nach Den Haag, er spielte diverse Konzerte und arbeitete weiterhin als Möbelpacker. Was wäre nur aus ihm geworden, hätte er sich nicht verletzt? Wahrscheinlich wäre er niemals wirklich glücklich geworden, denn in den Niederlanden war er es. Er spielte auf seiner Gitarre, sang und seine Vergangenheit blieb unbekannt. Er durfte das sein, was er wollte. Am 9. Mai fischte man ihm aus einen der Kanäle Den Haags, noch lebte er. Einen Monat verbrachte er im Koma, bevor er dann, einen Tag vor seinem 27. Geburtstag, verstarb. Eines der größten Talente, das die Welt je gesehen hat, gestorben, aber am Ende dann doch glücklich. Seine rastlose Seele konnte Adrian Doherty vielleicht befriedigen, indem er seinen Träumen Raum gab.

Dies war die Geschichte von Adrian Doherty. Ihn gab es wirklich und er war so, wie ich ihn beschrieben habe. Mit diesem Text leite ich meine vierteilige Serie zum Thema Leistungsdruck im Fußball ein.

Bildquelle: http://www.united.no/wp-content/uploads/2016/09/Doherty-2.jpg
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s