„Fünf Dinge, die ich nicht verstehe“ – Filmgedanken

Wir haben mittlerweile schon den Winter erreicht und ich komme dazu, einen weiteren Text zu schreiben. Vor einem knappen Jahr habe ich ein Interesse am Film als Medium, aber auch als Kunstform entdeckt. Seit diesem Punkt habe ich weit aus mehr Filme gesehen als in den Jahren vorher. Darunter waren auch zwei, welche vermutlich alles andere als Mainstream sind. Der erste Film war „WACH“, zu welchem auch noch Text kommen wird, der zweite hieß „Fünf Dinge, die ich nicht verstehe“ Um diesen geht es heute auch.

Wenn du dir jetzt noch die Mühe machst, weiterzulesen, dann will ich dir sagen, es ist keine Kritik, einfach ein paar Gedanken und Informationen, da ich das Glück hatte bei einem Publikumsinterview mit dem Regisseur auf dem Filmfestival Poitiers (eine Stadt in Frankreich) zu sein.

Der Film ist der Debütfilms des Elmntalers Henning Beckdorf, welcher erst in diesem Jahr sein Studium beendet hat. Unter dem Arbeitstitel „Grenzen der Stadt“, welcher ursprünglich auch der Veröffentlichungstitel sein sollte, drehte der junge Regisseur in seiner Heimatstadt einen Film über das Erwachsen werden und der Frage nach Männlichkeit heute. Seinem Vorbild Valeska Briesebach folgend waren hauptsächlich Schauspiel Laien an den Arbeiten beteiligt, die meisten sogar Leute aus der Kleinstadt selbst. Firmen und Privatpersonen waren auch die finanziellen Hauptunterstützer des Films, da er ohne Filmförderung entstanden ist. Inhaltlich begleiten wir die Hauptperson Johannes (Links auf dem Bild) dabei wie er sich universelle Fragen stellt wie „Wer bin ich“, oder „Was ist Männlichkeit heute“, aber auch „Was ist Heimat?“ Auch aktuelles Zeitgeschehen wird zwischen Autofahrten, Schule und Liebe nicht vergessen. 

Das Flüchtlingsheim vor Ort stellt einen wichtigen Ort dar, so findet Johannes am Anfang des Films im Fluss die Jacke eines der Bewohner oder ist mit seinem Bruder und Freunden selbst da, welche auch Hassparolen an die Wände schmieren. In einer Region in der die AfD über die Hälfte der Stimmen ist das sehr gewagt, so gab es vor Ort laut dem Regisseur nach der Premiere auch viele Diskussionen, auch weil der Film anstatt die Schönheit der Kleinstadt, wie viele gedacht zu haben schienen, ein Coming-of-Age Streifen über einen Jugendlichen, welcher ohne seine Mutter aufwächst ist, darstellt. Unsere Hauptfigur wächst ohne Mutter auf, welche die Familie als er noch jung war verlassen hat, doch darauf konzentriert sich der Film nicht.

Beckdorf selbst findet die Verbindung zwischen Kindern und Vätern nach eigenen Aussagen sehr interessant, weshalb es nicht der einzige Film von ihm ist, welcher sich damit beschäftigen wird, doch dazu später noch mehr, erst einmal zurück zum Thema, denn unsere Hauptperson wächst auf einem kleinen (schlecht) laufenden Hof auf dem Lande auf, mit einem fiesen Bruder (recht auf dem Bild) und einer alten (kranken?) Großmutter, sowie den Traditionen der Region und Familie. Diese bereiten ihm einige Schwierigkeiten, so wird das Jagen in der Region, und so auch in der Familie, groß geschrieben. Er selbst findet jedoch keinen wirklichen Gefallen daran, wie sich bereits am Anfang zeigt, als er die Waffe seines Großvaters in die Hand bekommt. Im Laufe des Filmes beginnt er sich zu fragen, was Heimat ist. Ist es der Ort ,wo wir hin geboren werden? Wo wir aufwachsen? Wo wir uns wohlfühlen?

Johannes fühlt sich zerrissen, zwischen dem Wunsch seinen Vater (in der Bildmitte) nicht zu enttäuschen, dem Willen Quatsch mit seinen Freunden zu machen und sich selber kennen zu lernen.


Ich selbst war von dem Film begeistert, und das obwohl es ein wenig gedauert hat, bis ich warm geworden bin, da die einzelnen Handlungsstränge der Hauptperson scheinbar wenig miteinander zu tun hatten. Teilweise wurden Cuts zwischen verschiedenen Punkten gesetzt, welche mir immer noch ungewöhnlich, aber zugleich wie ein Stilmittel vorkommen.

Das Ende wiederum war mir dann wieder etwas zu schnell, da es schien, als ob nun alles geklärt werden müsste um es irgendwie in einer bestimmten Zeit zu schaffen. Als Autor wiederum kann ich dies nachvollziehen, da auch ich am Ende dazu neige alles schneller zu machen, einfach weil man die Zeit dazwischen überbrücken will, aber man keine unnötigen Dialoge erschaffen möchte um den Leser/Zuschauer nicht zu nerven. Dazu waren einige Aufnahmen wackelig was mich, da ich insbesondere am Anfang darauf geachtet habe, genervt hat, später konnte ich es aber ignorieren.

Die elektronische Musik stand im krassen Widerstand mit der sonst ländlichen Atmosphäre, doch auch diese hat sehr schön zum Gesamtbild und der Person Johannes gepasst.

Nach 2,5 Jahren Arbeit ist der Film nun dieses Jahr der Öffentlichkeit präsentiert worden, im Frühjahr wird der zweite Teil auf der Berlinale gezeigt, es soll eine lose zusammenhängende Trilogie werden. Laut eigener Aussage möchte der Regisseur auch in zukünftigen Filmen ähnliche Fragen erkunden, so beschäftigt er sich im bereits beendeten zweiten Teil auch wieder mit der Vater-Kind-Beziehung. Der dritte Teil soll nächstes Jahr in Berlin gedreht werden.

Dieses und weitere Bilder findet ihr auf: https://www.facebook.com/grenzenderstadt/


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