Vier Jahreszeiten

Unser Leben beginnt mit dem Frühling. Wir sammeln unsere ersten Erfahrungen, finden erste Freunde. Die guten alten Sandkastenfreunde. Die Schule beginnt und irgendwann auch dieser ganze Beziehungskram. Durch Schulwechsel wird der Freundeskreis ausgesiebt und mit dem „Alter“ bemerken wir immer mehr, dass es nicht drauf ankommt unglaublich viele Freunde zu haben, sondern dass weniger doch so oft mehr ist. Ja es sind die ersten Freunde die uns hoffentlich durch unser ganzes Leben begleiten werden. Gleichzeitig ist es die Zeit in der wir das erste Mal lernen müssen wir unfair das Leben sein kann und dass man damit umgehen können muss. Letztendlich sollten wir doch jeder lernen dies zu handeln und doch haben wir in diesem gesamten Frühling unsere Eltern und andere Nahestehende um uns.

Und ohne dass wir uns versehen, sind wir auf einmal im Sommer gelandet. Es geht ans Ausziehen und so schnell wie das Studium oder die Ausbildung begann, so schnell ist diese Zeit auch schon wieder vorbei. Es beginnt eine Zeit, die wir im Frühling nur aus Filmen kannten und welche unsere Eltern uns vorlebten. Hochzeit, Kinder, eine eigene Wohnung oder sogar ein ganzes Haus? All das ist mit einem Mal so nah. Auf einmal wird freut man sich über jedes Jahr, das man jünger geschätzt wird und man beginnt so etwas wie Familienbesuche zu planen. Ja, ich denke es ist eine Zeit, in der alles zu blühen beginnt, auf das wir den ganzen Frühling hingearbeitet haben. Doch auch im Sommer muss man Rückschläge einstecken können und wächst an seinen Herausforderungen. Sprüche wie „Mensch, wie die Zeit vergeht!“ zieren unseren Alltag und kaum dass wir uns versehen sind unsere Kinder, die wir doch eben noch selber waren, ausgezogen und selbst auf den Weg in den Sommer, während für uns der Herbst beginnt.

Doch das heißt nicht, dass wir den Herbst nicht genießen können, denn ist er nicht für seine vielen Farben bekannt? Neue Farben, die in unser Leben treten, weitere Veränderungen, positive als auch negative? Trotzdem findet man auch im Herbst seinen persönlichen Alltag wieder.

Während man die Arbeit gefühlt gerade erst begann, sehnt man nun schon dem Winter und damit dem Ruhestand entgegen. Der Winter tritt ein und eventuell dürfen wir uns an unseren Enkelkindern erfreuen. Unsere Kinder, welche inzwischen Eltern sind, geben uns die Chance, sie erneut entlasten zu können, nachdem wir so lange „machtlos“ waren. Doch mit all der Zeit, von der wir die gesamte Zeit zu wenig hatten, wissen wir nun endlich etwas anzufangen. So kommen eventuell die Enkel des Öfteren und passen auf, dass man immer mal ein kleines „Update“ erhält. Ja und vielleicht haben wir nun auch die Zeit für unsere Enkel, die wir für unsere Kinder aufgrund unserer Berufstätigkeit nicht aufbringen konnten. Gewiss es ist unser letzter Lebensabschnitt, doch damit ist es doch umso wichtiger diesen in ganzen Zügen zu genießen. Und damit können wir für alles, was wir erleben dürfen, ob Freude oder Leid, dankbar sein, ebenso für alles, was noch vor uns liegt. Denn Zeit zu verschenken kostet kein Geld, wie glücklich kann man andere Menschen machen wenn man einfach ein offenes Ohr für sie hat? Sicher sind wir im Rentenalter nicht mehr so fit wie im Lebensfrühling, aber das müssen wir auch gar nicht. „Alles hat seine Zeit.“ Jede Zeit so zu nehmen, wie sie ist, ist unsere Aufgabe. Mich selber so zu nehmen, wie ich bin, mit dem, was ich noch kann. Die kleinen und großen Erlebnisse wahrnehmen. Es liegt an uns, aus allen Jahreszeiten das Beste zu machen, davon kann uns niemand abhalten. Also lasst uns alle gemeinsam ins Jahr 2019 starten und jede Jahreszeit lieben lernen.


Wiebke startet mit einem neuen ihrer gefühlvollen Texte ins Jahr 2019. Sie schreibt ab und zu als Autorin für den Gedächtnispalast.


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