Hundertwasser – Spinner oder Visionär?

Hundertwasser. Jeder kennt diesen Namen. Doch wer genau ist diese Person, was hat sie sonst noch so getrieben, außer komische, bunte Häuser aufzustellen, und Zeichnungen anzufertigen, die aussehen, als hätte sie ein Kindergartenkind gemalt? Diesen Eindruck könnte man zumindest von seiner Kunst haben. Wenn man sich aber genauer mit diesem Menschen beschäftigt, stellt man fest, dass weit mehr hinter seiner Kunst steckt.
Ich möchte euch nun einen Einblick in ein paar Aspekte seiner Biografie geben und als erstes in die Jugend des Künstlers mitnehmen, von der man sonst relativ wenig weiß.

Er kommt im Jahre 1928 mit dem Namen Friedrich Stowasser auf die Welt. Er wird diesen Namen später ändern in Friedensreich Hundertwasser. „Sto“ steht in den slawischen Sprachen für „Hundert“. Außerdem hängt er auch noch die Namen Regentag und Dunkelbunt hinten an.
Seine Familie mütterlicherseits ist jüdisch – und er somit ein Halbjude. Zum Schutz der Familie tritt er der Hitlerjugend bei. Er schreibt einmal über die doppelte Bedeutung des Küzels „HJ“ für ihn: Hitlerjugend und Halbjude. Doch auch sein Beitritt zur HJ kann nicht verhindern, dass seine Tante und viele weitere Familienangehörigen im Jahr 1943 – Hundertwasser ist gerade einmal 15 Jahre alt – deportiert werden und dem Holocaust zum Opfer fallen.
Seinen Vater lernt er nie wirklich kennen, dieser stirbt ein Jahr nach Hundertwassers Geburt.
Zu seiner Kindheit merkt Hundertwasser an:

„Sicher steht der Weg, den ich als Künstler ging, in ursächlichem Zusammenhang mit der Situation, in der ich aufgewachsen bin. Meine Jugend als doppelter Außenseiter – ohne Vater und als Halbjude – hat natürlich dazu beigetragen, dass ich viel nachgedacht und mich besonnen habe. Ich wurde zum Einzelgänger, zum Kämpfer für bestimmte Anliegen, die mir wichtig erschienen. In meiner Kindheit hatte ich keine Gelegenheit, mich einer Gruppe zugehörig zu fühlen, und so blieb ich Einzelkämpfer“

Tatsächlich war Hundertwasser in seinem Leben viel allein unterwegs. Er reiste durch die ganze Welt und verbreitete so seine Kunst und Ideen. Doch worum ging es ihm eigentlich? Zum einen um ein Leben der Menschen im Einklang mit der Natur. Und dafür setze er sich ein. Er verfasste Manifeste, hielt Reden und bekam in seinen letzten Lebensjahren auch einige Auszeichnungen für seinen Einsatz für die Natur. Man kann also sehr wohl behaupten, dass Hundertwasser der Kämpfer war, als welchen er in sich dem obigen Zitat beschreibt.

Druckgraphik „Irinaland über dem Balkan“ von Friedensreich Hundertwasser. Die dargestellte Verschmelzung des Frauengesichts mit der umgebenden Landschaft macht auf die Beziehung des Menschen zur Natur aufmerksam.

Eine andere Sache, die mir während dem Beschäftigen mit der Person Friedensreich Hundertwasser aufgefallen ist, ist, dass er ein Verfechter des Einzigartigen ist. Er wollte mit seiner Kunst – vorallem auch mit der Druckgraphik – immer etwas Einzigartiges schaffen. Und auch seine Architekturentwürfe bringen ganz einzigartige, besondere Häuser hervor. Doch auch andere Bereiche des menschlichen Lebens wollte er revolutionieren und individueller gestalten. Er wollte keine Konsumgüter die alle gleich aussahen, keine Fließbandprodukte, sondern immer etwas Eigenes, eben Einzigartiges.

Ein Beispiel für seine Architektur: Das Hundertwasserhaus in Wien

Überlegt man sich genau, was das bedeutete, welche Ausmaße seine Forderungen haben, lässt sich leicht behaupten, dass das schlichtweg unrealistisch ist. Man könnte Hundertwasser als Spinner bezeichnen. Doch ich empfinde einen großen Respekt und Bewunderung ihm gegenüber. Er war nicht nur jemand, der große Reden schwang und über seine Träume sprach. Sondern er ließ auf seine Worte auch Taten folgen und setze sich mit großem Engagement und Herzblut für das, was ihn wichtig war, ein und realisierte schon viel früher als viele Andere, dass ein Leben des Menschen mit der Natur eben nur dann funktionieren konnte, wenn der Mensch MIT der Natur lebte. Im Einklang mit ihr, und nicht über sie herrschend.


Bilderquellen:

https://archzine.net/lifestyle/architektur/hundertwasser-architektur/?image_id=218830
https://archzine.net/lifestyle/architektur/hundertwasser-architektur/?image_id=218699
https://archzine.net/lifestyle/architektur/hundertwasser-architektur/?image_id=218839

Bücherquellen:
Joram Harel Management (Hrsg.): Der Unbekannte Hundertwasser
Markus, Georg: Mein Elternhaus – Ein österreichisches Familienalbum
Schmied, Wieland: Hundertwasser: 1928-2000; Persönlichkeit, Leben, Werk, Köln, Taschen, 2006

Zitat: Joram Harel Management (Hrsg.): Der Unbekannte Hundertwasser, New York, S.256, und siehe Markus, Georg: Mein Elternhaus – Ein österreichisches Familienalbum, Düsseldorf, Wien, New York


Laura ist Fotografin, Abiturientin und Bayerin – und Autorin für den Gedächtnispalast.


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