Eine Milliarde für eine Kirche – und im Mittelmeer ersaufen Leute

Die Notre-Dame Kathedrale in Paris ist Flammen zum Opfer gefallen. SCHURTI kommentiert, warum wir nun Prioritäten setzen müssen.

Ein extrem großer Schock durchfuhr unser Nachbar- und Geschwisterland Frankreich in den letzten Tagen.
Die wohl schönste und größte vollendete Kirche Europas, die Kathedrale Notre-Dame in der Weltmetropole Paris stand in Flammen und leider verlor sie den Kampf zu kleinen Teilen.
Filigrane Strukturen und einzigartige Baukunst, gerade im zentralsten Bereich des Gebäudes wurden auf ewig zerstört. Der mittlere Turm versank glühend in sich selbst und stürzte tief in das Kirchenschiff. Im Moment spekuliert man, dass es sich um einen Unfall bei Restaurierungsarbeiten des mehr als 800 Jahre alten Gotteshauses handelte.
Die Welle von Trauer und Schmerz verbreitete sich wie ein Feuer in einem hölzernen Dach, welches zu einem restaurierungsbedürftigen Gebäude gehört. Viele Menschen auf der ganzen Welt sind emotional mit diesem Wahrzeichen der Stadt verbunden. Einige waren dort, andere planten Reisen, um die architektonische Meisterleistung aus nächster Nähe betrachten zu können. Filme, Bücher, Geschichten, so viel Ideengarn spannte man um das Heiligtum im Zentrum von Paris.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte direkt am Abend des Großbrandes, nachdem das Gebäude erfolgreich gelöscht worden war und man die Struktur mehr oder minder gerettet hatte, konkrete Zahlen, die er in den Wiederaufbau stecken wolle. „100 Millionen Euro“ hieß es da. Eine mickrige Summe, wenn man sich vor Augen führt, dass der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden mehr als 180 Millionen Euro verschlang. Doch Macron brauchte sich keine Sorgen machen, denn es wurde direkt zu Spenden aufgerufen. In etwa 48 Stunden liefen die Konten, die für Spenden angelegt wurden, über.

880 Millionen Euro hat man bisher gesammelt. Bitter mag es da dem ein oder anderen aufstoßen, und die Frage aufgeworfen werden: Wem gehört Notre Dame eigentlich?
Eine katholische Kirche ist sie zweifelsohne und gehört auch zu den Besitztümern der Kirche der Katholiken.
Da diese Gemeinschaft wie ein Unternehmen funktioniert und sich auch als solches versteht, da es Kosten, Ausgaben hat und Dienstleistungen (Kinderschändung ausgeschlossen) anbietet. Grob überschlagen verfügt man im Vatikan über ein Vermögen von ungefähr 21 Milliarden Euro, welches man mit vielen Methoden (über die Vertretbarkeit von Kreuzzügen [äh Gruppenwanderungen] lässt sich streiten) über einige hundert Jahre anhäufen konnte.
Zusammenfassend: es wurde für ein Gebäude eines „Unternehmens“ gespendet und dies im oberen dreistelligen Millionenbereich, obwohl diesem „Unternehmen“ ein Vermögen im unteren zweistelligen Milliardenbereich zur Verfügung steht und eine Restaurierung locker stämmen könnte. Ganz abgesehen davon, dass eine Restaurierung dieser Form niemals in einen Bereich eintreten sollte, der fasst eine Milliarde Euro beschreibt, sollte man doch auf die unglaubliche Art und Weise dieses Geschehnisses achten. An diesem Punkt muss man vergleichen.

Seawatch – eine freiwillige Gruppierung, die sich für die Rettung von Geflüchteten einsetzt und dafür hart in der Kritik stand, nimmt für die Verteidigung von Grundrechten und dem ersten Artikel des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar.“) natürlich auch Spenden an. Ein bisschen mehr als eine Million Euro hat man bekommen. Eine Million Euro, um Menschenleben zu retten, welche sonst elendig im Mittelmeer verrecken würden. Eine Million Euro, eine Zahl, die viele von uns niemals verdienen werden, die aber zeigt, dass wir Weißen ach so intellektuellen Fristwordler uns mehr für die Rettung eines Gebäudes, dessen Restaurierung sehr überfällig gewesen ist und dessen Wiederaufbau die Kirche zahlen hätte müssen, als für die Lebensrettung von lebendigen Menschen, die in einem Meer treiben, dass nicht nur aus Wasser besteht. Nein, sondern auch aus Trauer, Erniedrigung und Angst setzt sich das Meer zwischen Europa und Afrika zusammen.
Aber die Zahlen machen Hoffnung, denn sie zeigen, dass wir, wenn es Schlag auf Schlag und hart auf hart kommt, fest zusammenrücken können. Und mit dieser Solidarität und diesem Einheitsgefühl können wir es schaffen, eine Energiewende herbeizuführen. Wenn wir uns mit Kapital und Willen dafür einsetzen, dann sind wir mehr als die Politiker und wir sind am Ende des Tages immer noch die Nationen, die Zukunft brauchen. Oder sollte man es etwa lassen?

Foto: Getty Images, Hubert Hitier

Moritz schreibt in seinem heutigen Text über ein aktuelles Thema – bei dem auch Ethik und Moral eine Rolle spielen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s