Gedanken aus der Provinz

Der neue Text mit Galerie von THIES.

Ich habe es satt. Ich kann es nicht mehr sehen. Diese verstaubte Gegend, verkrustet unter Rückständigkeit. Der graue Putz, der bröckelt. Die verfallenen Häuser, um die sich niemand mehr schert. Die Metallhalterungen an den Fassaden, in denen einmal Fahnen steckten. Zuerst mit schwarzem Kreuz, dann mit goldenem Zirkel. Die Farbe, die abblättert von den Fensterläden. Diese Idylle, die nur der Schein aufrecht erhält. Die malerische Landschaft ist für mich nur ein Bild aus Öde und Leere, trotz aller Farbe. Bunte Farben aller Couleur, doch ich sehe nur Grau und Rostbraun, die Landschaft scheint verrostet.

Denn ihr seid da. Ihr, diese Leute, die sagen, dass früher alles besser war. Welches Früher, frage ich, und was davon? Die Fahnen, die so herrlich im Wind flatterten? Ihr seid das, diese Leute, die immer etwas zu beklagen haben. Und dann bleibt ihr Zuhause, wenn die Lokale zur Wahl öffnen. Was ist los bei euch? Zu viel Auswahl, auf einmal? Feindlich gesinnt dem Nachbardorf. Doch auch dort bröckelt der Putz, die Menschen klagen. Wozu das alles? Ist es das, wofür ich hier lebe?

Ich muss raus. Weg, auf und davon. Den Staub abschütteln von mir, die Kruste zerbrechen, die mich lautlos umschlossen hat. Wo früher eine Fahne war, wird bei mir nicht einmal mehr eine Halterung dafür sein. Ich bin für euch zu wild, zu ungestüm, habe zu viel eigenen Kopf. Meine Haltung ist es, die in keine Halterung passt. Die Stelle, an der der Teufelskreis bricht, aus der Bahn geworfen wird, zerschmettert am Boden liegt, das bin ich.
Vertrocknete Pflanzen müssen weg, auf den Müll, etwas Neues muss daraus entstehen. Ich muss raus, weg hier. Ein Fremder bin ich, weil ich das Spiel nicht verstehe, die Regeln überwinden will. Disqualifiziert.

Meine Haltung ist es, die in keine Halterung passt.

Ich gehe und blicke nicht zurück, das macht schon ihr für mich. Zu lange stand die Gegend still und doch hat sie sich im Kreis gedreht, bis ich im Schwindel zu Boden gefallen bin. Die Tore hier sind zu. Ich habe sie mir selbst verschlossen, von außen. Ich gehe, ich fliehe. Ohne alle Fahnen. Ich begehe Fahnenflucht, und das mit Stolz. Ihr werdet die Lücke nicht bemerken, die ich hinterlasse. Ihr werdet weiter wohnen, in euren Häusern mit grauem Putz, werdet klagen und an Früher denken, das Hier und Jetzt werdet ihr vergessen haben. Ich werde hier nichts ändern können, wo sich doch niemand verändern will. Ich werde nun den Schnee von Gestern schmelzen lassen. Die alten Ketten loswerden. Etwas Neues beginnen.

Und nun werdet ihr auf euren Bänken sitzen, vor Rost und kaputten Fenstern, und klagen, warum die jungen Leute allesamt das Weite suchen.


FRAGMENTE

Text und Bild von Thies, Mitbegründer des GP.

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