Traumhaft schön

Träume sind Phänomene, die uns schon immer beschäftigen und faszinieren. LAURA hat sich mit dem Thema näher befasst.

„Was ist denn des jetzt zwischen uns?“, fragst du und blickst mich an, erwartungsvoll. Ich blicke in deine wunderschönen Augen und spüre ein Kribbeln im Bauch. Ja, was ist denn das zwischen uns? Ich bin unsicher, lächle dich zaghaft an.
„Würde mich gern mal mit dir treffen“, sage ich.
Du lächelst dein charmantes Lächeln, und alles ist so perfekt, als du dich zu mir vorlehnst, dein Blick zu meinen Lippen abschweift, ich die Augen schließe. Und auch noch, als ich die Augen wieder öffne, und in seligen Erinnerungen schwebe… Bis mich die Realität trifft. Bis ich mir klar darüber werde, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, wer du gerade warst. Bis ich realisiere, dass das gerade eben nur ein Traum war. Und was für ein schöner Traum… ein Traum, zu schön, um wahr zu sein? Was sagt dieser Traum über mich aus? Dass ich dringend einen Freund brauche? Was sind Träume denn eigentlich genau? Was ist das, was sich jede Nacht in unserem Kopf abspielt? Hirngespinste, sehnlichste Wünsche aus unserem Unterbewusstsein?

Ein Traum, in dem Sinne, wie ich ihn meine, definiert sich durch das gegenwärtige, innere Erleben eines Schlafenden, also ein Traum wie ich ihn euch gerade geschildert habe. Dabei muss klar unterschieden werden zwischen dem, was sich nachts wirklich in unserem Kopf abspielt, und dem, woran wir uns am nächsten Morgen als Traum erinnern. Oft ist das nämlich nicht ein und dasselbe: Unserer Gedächtnis manipuliert oft unsere Erinnerung. So träumten beispielsweise die Menschen, nachdem die ersten Schwarz-Weiß-Filme aufkamen, oft in schwarz-weiß. Zumindest erinnerten sie sich an keine farbigen Träume, diese fanden jedoch sehr wohl in der Nacht statt, in Farbe. Den Menschen kamen die Träume wie ein Film vor, der sich, weil sie es von den Kinos so gewohnt waren, in ihrer Erinnerung in schwarz-weiß abspielte. Ein anderes Beispiel für die Unzuverlässigkeit unseres Gedächtnisses: Legt man Erwachsenen eine Fotomontage vor, die sie als Kind neben einem Heißluftballon zeigt, denkt die Hälfte der Personen sich lebhaft an eine Heißluftballonfahrt zu erinnern, die nie stattgefunden hat.

Die Erinnerungen an die Nacht haben die Menschen schon immer fasziniert.
Was sich beim Träumen genau in unserem Kopf abspielt, welche Schlafphasen ein Mensch im Laufe der Nacht durchläuft und wie die Forschung auf unsere heutigen Erkenntnisse kam erfahrt ihr sehr genau und schön erklärt in dem Buch „Träume. Eine Reise in unsere Wirklichkeit“ von Stefan Klein. Von diesem stammen all meine Informationsquellen und Beispiele dieses Artikels.

Dort werden auch Experimente geschildert mit dem Versuch Träume zu manipulieren. So lässt sich zum Beispiel durch einen Duft, den wir mit einer bestimmten Person verknüpft haben, diese in unserem Traum heraufbeschwören, wenn wir diesen einen Duft in der Nacht riechen. Dazu muss dieser natürlich von jemand anderem im Zimmer ausgesprüht werden. So wird unser Wahrnehmen im Traum durch Sinnesreize in eine bestimmte Richtung gelenkt und eingeschränkt.

Nicht anders verhält es sich, wenn wir wach sind.

Wachen ist nichts anderes als ein traumartiger Zustand, der sich in einem Rahmen bewegt, den die Sinne ihm setzen.

Rudolf Llinás

Normalerweise nehmen wir die innere Traumwelt völlig verschieden als die äußere Tagwelt wahr. Das eine ist unwirklich, das andere akzeptieren wir als real.
Doch Wachen ist vielleicht gar kein so anderer Zustand als Träumen. Wir bilden uns bei beiden Zuständen eine Vorstellung oder Fantasie darüber, was gerade geschieht. Erklären lässt sich das durch die Tatsache, dass auch blinde Menschen – Personen, die mich nie in der Lage waren, irgendwelche Bilder zusehen – die Fähigkeit haben, zu träumen.
Ein Bild wird in unserem Gehirn normalerweise durch die gegenwärtige Wahrnehmung, durch unsere visuellen Erinnerungen und durch sonstige Kenntnisse der Welt erzeugt. Da bei Blinden die ersten beiden Informationsquellen wegfallen und diese dennoch in der Lage sind im Traum Bilder zu sehen, kann aus dem Wissen allein, also zum Beispiel aus dem Ertasten von Dingen und den Erzählungen von anderen sehenden Menschen über die Sache, auch eine Vorstellung entstehen.
Unser Gehirn konstruiert also aus unserem ganzen Wissen über eine Sache ein Bild von dieser. Und das tut es, ob wir wachen oder schlafen, beide Male gleich. Nur wenn wir wach sind hat unser Geist mehr Einschränkungen durch Sinneseindrücke. Wir schaffen uns also auch im wachen Zustand eine Illusion über die Welt, die an unser Wissen gebunden ist.

Unsere Wahrnehmung der Welt ist eine Fantasie, die mit der Wirklichkeit zusammenfällt.

Chris Frith

In meinem nächsten Artikel erfährt ihr, was Träume nun über uns aussagen.

Oder ihr lest es hier selber nach:
Bücherquelle: Stefan Klein, Träume Eine Reise in unsere innere Wirklichkeit, Fischer Verlag, 2016, Frankfurt am Main

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