Die Berge aus Glas

Eine Fantasiereise mit SCHURTI: prophetisch, poetisch, besonders.

Straße löst sich unter meinen Füßen auf. Das Rot vom Himmel bricht und hat über Tage den Teer langsam weich und willig gemacht, mich zu verschlucken. In der Nacht, wie Pech, umhüllt mich ein tiefschwarzer Mantel und meine Füße samt Schuhen sind weg. Tat die Erde ihren selten gierenden Schlund auf, da wo die Berge aus Glas, Hunger auf Menschenfleisch haben? Im Mund, der sich in Kreisen dreht, finde ich keinen Ausweg. Wenn mein Blick nach hinten geht, sehe ich es, das geöffnete Maul der Bestie. Doch eh ich meinen Plan vollendet gedacht, sie mich schon am Gaumen vorbei hinab Richtung Magen schob. Der Sturz ist unausweichlich, obwohl ich an haftenden Fäden des Schleims klebe, ist es keine genügende Fallentschleunigung, um mich zu retten. Tote, leere Augen glotzen mich an. In eitrigen Höhlen übernehmen sie die Aufsicht der Höllenkreautur. Vor mir müssen bereits Etliche Opfer geworden sein. Etliche Wesen, in unendlichen Jahren an Schandexistenz. Meine Nase vernimmt den süßen Geruch von Erbrochenem. Ich stellte es mir viel ätzender vor, hier im düstren Verdauungstrakt. Plötzlich schießt durch das dichte Adernetz, dass mich durchdringt, Dopamin und Serotonin und auf geschwinden Schritte folgend Noradrenalin. Stärker als je zuvor fühle ich mich. Die Welt kann ich alleine ins Verderben stürzen! Ein schmerzendes Gefühl in meinem Bein, doch Schmerzen sind mir jetzt egal! Die Emotion der Schwächen nimmt zu. Immer stechender wird der Schmerz. Blut fließt hinab und die Dämonen jaulen laut aus der Wunde. Verwundertes Augenreiben: Vor mir steht ein Greis, 500 Jahre alt, laut seinem Presseausweis.

„ Folge mir junger Spund! Ich alleine kenne den Weg heraus!“ Die Zunge meinerseits bewegt sich, wie von selbst. Die Kontrolle der Sprache gehört nicht mehr mir.

„Pressegreis?! Wohin mag die Reise gehen? Eben kam ich an und nun soll ich schon wieder gehn, das erscheint mir nicht sonderlich fair!“ Direkt und ungebremst, wie ein Rolls-Royce, überrollt mich seine Antwort „Schweig still! Viel zu lange bist du schon hier!“

Gesagt und verstanden. Ich folge ihm auf seinen Versen. Den Berg aus Glas, den erklimmt er zusammen mit mir. Wir sehen gar seltsames Getier. Es scheint: Je dünner die Luft, desto absurder werden die Geschöpfe, die an diesem Ort bald krepieren werden. Die Sonne brennt nun wieder auf der Haut. Schiere Ewigkeit werd ich von Pech verschlungen. Oben. Oben bricht das Glas schlagartig und ich stürze erneut. Angst sprengt jede Rationalität. Logisches Denken, es setzt aus. Meine Haare werden vom Wind zerzaust und alle anderen stellen sich auf.

Kein Schmerz. Kein Blut. Kein Knochenbruch. Ich stehe wieder mit beiden Beinen auf dem Asphalt. Mir fehlt nur ein Geldschein.

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